Aura erkennen: Die Warnzeichen vor einem Anfall – und was du damit machst

Marcel Kowalski 1. January 2024 · 3 Min Lesezeit
Aura erkennen: Die Warnzeichen vor einem Anfall – und was du damit machst

Plötzlich riechst du Verbranntes – obwohl nichts brennt. Ein komisches Kribbeln zieht die linke Seite hoch. Déjà-vu, so intensiv, dass es sich unwirklich anfühlt. Angst ohne Grund. Ein Leuchten am Rand deines Sichtfelds.

Das könnte eine Aura sein.

Und wenn du das erkennst, hast du etwas Unglaublich Wertvolles: Zeit.

Was ist eine Aura überhaupt?

Eine Aura ist ein fokaler Anfall – der erste, oft noch bewusst erlebte Teil eines epileptischen Geschehens. Manchmal bleibt es dabei. Manchmal ist sie der Auftakt zu einem größeren Anfall.

Medizinisch gesehen ist die Aura kein "Warnsignal" im klassischen Sinne – sie ist selbst Teil der Anfallsaktivität. Aber funktional ist sie genau das: eine Chance, dich vorzubereiten.

Nicht jeder hat eine Aura. Wer keine hat, bekommt keinen Vorwarnschutz. Wer sie hat, sollte sie kennen, ernst nehmen – und dokumentieren.

Die häufigsten Aura-Typen

Sensorische Aura: Kribbeln, Taubheitsgefühl, Wärme oder Kälte in einem Körperteil. Oft ein Arm oder ein Bein.

Visuelle Aura: Lichtblitze, Flimmern, Sehverlust auf einer Seite, Halluzinationen.

Olfaktorische und gustatorische Aura: Gerüche (oft Verbranntes, Gummi, Süßes) oder Geschmäcker, die nicht da sind.

Psychische Aura: Déjà-vu, Jamais-vu, intensives Angstgefühl, Euphorie, Derealisationsgefühle.

Autonome Aura: Herzrasen, Übelkeit, Schwitzen, Gänsehaut.

Epigastrische Aura: Ein aufsteigendes Gefühl aus dem Bauch – oft beschrieben als "Aufsteigen", "Welle" oder "Flattern".

Was du in der Aura tun kannst

Du hast vielleicht 30 Sekunden. Manchmal mehr. Nutze sie.

Hinsetzen oder hinlegen. Sofort. Nicht erst dann, wenn es passt. Fälle während eines Anfalls sind eine der häufigsten Ursachen für ernsthafte Verletzungen.

Dich in Sicherheit bringen. Weg von Treppen, Straßen, Wasser, heißen Oberflächen.

Jemanden informieren. Wenn du nicht allein bist: kurzes Signal an die Person neben dir. "Ich glaube, ich bekomme gleich einen Anfall."

Notfallmedikament bereithalten. Wenn du eines hast – jetzt ist der Moment.

Nicht mehr fahren. Sofort Fahrzeug sicher anhalten, wenn du am Steuer sitzt.

Warum du deine Aura dokumentieren solltest

Viele Menschen haben ihre Aura jahrelang nicht als Aura erkannt. Sie dachten, es sei Stress. Oder ein Déjà-vu. Oder einfach ein seltsamer Moment.

Erst durch die Dokumentation – "Ich hatte dieses komische Gefühl, und 2 Minuten später hatte ich einen Anfall" – entsteht das Muster.

Dein Neurologe kann mit dieser Information den Anfallsursprung im Gehirn besser lokalisieren, die Diagnose verfeinern und Medikamente gezielter einsetzen.

Im Quiet Signal Epilepsie Tracker gibt es ein eigenes Feld für Aura-Beschreibungen. Trag ein, was du erlebt hast – so präzise wie möglich. Mit der Zeit wirst du deine eigene Sprache dafür entwickeln. Und die ist Gold wert.

Fazit: Kenn dein Warnsystem

Nicht alle haben das Glück einer Aura. Aber wenn du sie hast, ist sie ein Geschenk – ein kleines Fenster, in dem du dich schützen kannst.

Lern sie kennen. Vertrau ihr. Und hör auf sie.

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